5 Tages Tour
durchs Rätikon im Montafon / Vorarlberg vom 02. – 06. September 2026
Die alljährliche Hüttentour unserer Sektion ist seit dem Jahre 2018 genau genommen eine reine „Dolomiten Tour“ geworden. In diesem Zeitraum haben wir die schönsten Ziele und Ecken in Südtirol bestaunt und uns immer wieder aufs Neue in den Bann der Dolomiten ziehen lassen.
Dabei gibt es im Alpenraum noch so viele, ebenso tolle und wunderschöne Fleckchen, die allemal eine Reise wert sind und der mittlerweile völlig überlaufenen Alpensüdseite in nichts nachstehen.
Genauso ein Ziel ist das Rätikon Gebirge, südlich vom Bodensee, direkt an der Grenze zwischen Vorarlberg/Österreich und der Schweiz. Zudem ist es in 3,5 – 4 Stunden Fahrzeit auch noch viel einfacher zu erreichen. Also warum nicht hier eine Hüttenrunde machen?
Gesagt – getan! Mit 18 Personen starten wir, wie immer, früh um 05:00 Uhr am Seeweiherparkplatz in Weißenburg. Und schwupp-di-wupp, um 09:00 Uhr stellen wir die beiden Busse auf dem (kostenlosen!!) Dauerparkplatz der Golmer Seilbahn in Vandans bei Bludenz ab. Direkt an der Talstation steigen wir dann in den Wanderbus ein, der uns die ersten 10 km ins Rellstal bringt. Ab dem Alpengasthof Rellstal geht es dann zu Fuß weiter. Nach 3 km und 300 Hm haben wir aber auch schon unser erstes Nachtquartier, die Heinrich Hueter Hütte auf 1765 m, am Fuße der Zimba (=Matterhorn des Montafon), erreicht. Es ist gerade einmal Mittagszeit, aber genau das war ja auch die Planung.
Die gesamte Mehrtagestour trägt den Titel „Hüttenchillen oder Gipfelsturm“, heißt also, völlig entspannt ab Mittag die Hütte mit all ihren Vorzügen genießen, oder die etwas sportlichere Gipfelvariante.
Wir beziehen also unsere Zimmerlager, wobei in allen Hütten Vorsichtsmaßnahmen wegen Bettwanzen gelten. Die Schlafsäcke müssen vorher in die Mikrowelle, die Rucksäcke in den Skikeller und nur dringend benötigte Sachen, und diese auch verpackt, mit ins Zimmer.
Nach kurzer Stärkung machen sich alle Teilnehmer auf den Weg zum Saulakopf, einen 2517 m hohen, formschönen, aber nicht ganz einfachen Berg. Bis zum Joch in 2065 m handelt es sich um einen einfachen Wanderweg, ab dort dann wird es ein alpiner Steig, teils mit Seilsicherung, der anspruchsvoll durch Fels- und Geröllgelände zum Gipfel führt. Das Panorama entschädigt für alle Mühen. Atemberaubende Tiefblicke zum Lünersee sind ebenso beeindruckend wie die Fernsicht zu den Drei Türmen, Schesaplana, ja sogar die 3000er der Silvretta sind sichtbar. Im Nordwesten, Richtung Bludenz, dominiert der Gipfel der Zimba das Geschehen. Die ersten Eindrücke dieser, für uns neuen, Bergregion sind mehr als vielversprechend, was uns die kommenden fünf Tage erwartet.
Der Abstieg fordert nochmals volle Konzentration und bringt manche Teilnehmer nahe an ihre Grenzen. Überglücklich und erstaunt, wie leicht es sich doch ohne schweren Rucksack gehen lässt, erreichen wir wieder die Hütte und genießen den ersten Abend. Von der Terrasse aus können wir beobachten, wie der Wirt mit schwerem Gerät Trinkwasser vom Tal nach oben bringt. Er verrät uns, dass, wenn es den Fahrweg nicht gäbe, er bereits vor sieben Wochen wegen Wassermangel hätte schließen müssen. Der Traktortransport kostet ihn zusätzlich etwa 30.000 €, nur dies Saison. Es wird sicherlich eine sehr spannende Zukunft für viele Berghütten!
Der Wetterbericht für die folgenden Tage könnte fast nicht besser sein. Deshalb können wir uns dementsprechend Zeit lassen. Ein gemütliches Frühstück um 07:00 Uhr, Abmarsch 08:00 Uhr.
Ein wunderschön angelegter Wanderweg bringt uns in 1,5 Stunden zur Lünerkrinne (2145 m), von wo aus wir einen fantastischen Blick auf den Lünersee und die weitere Tagesetappe haben. Der Lünersee ist ein natürlicher Gletschersee, der durch eine 72 m hohe Staumauer deutlich vergrößert wurde, mit 78,3 Mio.m3 Fassungsvermögen der Stromerzeugung dient und einer der größten Seen im Vorarlberg ist. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang über dieses beeindruckende Bauwerk. Vorbei an der Douglas Hütte (hier kommen auch die Seilbahntouris hoch), entlang am Ostufer und auf halber Strecke rechts weg Richtung Totalp Hütte (2385 m), unserem nächsten Stützpunkt. Bis hierher war es erneut „nur“ eine Halbtageswanderung, aber immerhin 8,5 km mit 830 Hm. Die Hüttenterrasse und das dazu gehörige Panorama ziehen uns sofort in seinen Bann. Zu allem Übel gibt es auch noch Liegestühle! Wie soll man da noch weiter gehen wollen?? Trotzdem entscheidet sich der größte Teil der Truppe für einen Gipfelsturm auf die höchste Erhebung im Rätikon, die Schesaplana, mit 2965 m ziemlich genau so hoch wie Deutschlands höchster. Um 13:00 Uhr starten wir den zweistündigen Aufstieg. Es macht richtig Spaß ohne großes Gepäck am Rücken. Allerdings ist sehr deutlich zu spüren, dass es sich um einen Seilbahnberg handelt. Der Weg gleicht einer Autobahn, zumal mehrere Übergänge von anderen Hütten über diesen Berg führen. Am höchsten Punkt sind wir abermals überwältigt von der Schönheit dieser Landschaft hier und gleichermaßen erschrocken, was von den Gletschern noch übrig ist. In knapp 3000 m Höhe weht ein eisiger Wind, deshalb fällt die Rast etwas kürzer aus. Zurück an der Hütte, so gegen 16:15 Uhr, schmeckt das Bier, der Kaffee und andere kulinarische Spezialitäten, um ein Vielfaches besser als zuhause. Waren es doch mit Gipfelbesteigung 13,5 km, 1480 Hm Auf- und 870 Hm Abstieg. Eine beachtliche Leistung!
Der dritte Tourentag steht wieder ganz im Sinne einer Gemeinschaftsfahrt. Die geplante Etappe hinüber zur Lindauer Hütte entspricht nämlich nicht dem „Normalweg“, der kürzer und etwas einfacher ist. Einige Teilnehmer entscheiden sich für diese Variante. Dennoch ist der klassische Wanderweg über das „Verajoch“ und den „Öfapass“ nicht zu unterschätzen. Mit 12 km und ca. 900 Hm hat auch diese Tour ihre Anforderungen.
Der Abstieg über die sog. „Gamsluggen“ war wohl der ausschlaggebende Grund für die Gruppenteilung. Hierbei handelt es sich um eine ca. 200 m hohe Steilstufe, die, teils mit Seilsicherungen, abwärts geklettert werden muss. Auch die Gesamtlänge dieser Etappe mit 17 km, 750 Hm Auf- und 1400 Hm Abstieg ist nicht zu unterschätzen. Und dann sind da noch die ziemlich schweren Rucksäcke!
Die geplante Route führt uns also über die „Gamsluggen“ auf schweizerisches Staatsgebiet. Nach erfolgreichem Abstieg am Stahlseil flacht das Gelände ab und wir wandern fortan in stetigem Auf und Ab über herrliches Almgelände. Zeitweise müssen wir uns sogar den Weg mit Schafherden teilen, die uns freundlich entgegen „mähen“. Ob es sich um schweizerische Landessprache handelt, können wir nicht beurteilen. Wir befinden uns auf dem „Prättigauer Höhenweg“ und sind begeistert von diesem Fleckchen Erde. Auf der linken Seite dominieren die bizarren Felsgebilde der Kirchlispitzen (2551 m), Drusenfluh (2827 m) und Drei Türme (2782 m) das Geschehen, derweil rechts das schier endlose Grün der Almwiesen die Landschaft prägen. Ein kleines Paradies hier. Nach 13,5 km und 6,5 Stunden erreichen wir das „Drusentor“ (2350 m), unserem heutigen Gipfel. Hier kehren wir wieder nach Österreich zurück und steigen nochmals anspruchsvolle 650 Hm zur Lindauer Hütte ab. Bei bestem Wetter genießen wir auf der Terrasse nach über 8 Stunden Gehzeit die hervorragende Küche dieser neu renovierten Unterkunft. Hier treffen wir auch den Rest unserer Gruppe, die von ihrer Variante der Tour nicht minder begeistert sind. Zufrieden und glücklich über einen abermals perfekten Tourentag gönnen wir uns so manches Leckerli am Abend.
Leider müssen wir uns am nächsten Morgen von einem unserer Kameraden verabschieden. Knieprobleme machen eine Fortsetzung der Tour unmöglich. Der Hüttenwirt nimmt den Patienten dankenswerterweise mit ins Tal, wo er von seiner Familie abgeholt wird. Sie möchten noch ein paar erholsame Tage in dieser wunderschönen Gegend verbringen. Sicherlich ist das auch ganz im Sinne des Kniegelenkes. Wir wünschen ihm gute Besserung und verabschieden uns in Richtung Bilkengrat, der auch der „schwarze Grat“ genannt wird. Es handelt sich um die geologische Trennlinie zwischen hellgrauem Kalkgestein, bzw. Dolomit und dem nahezu schwarzem Urgestein vom Alpenhauptkamm. Teilweise könnte man denken, jemand hat hier mit dem Lineal eine Linie gezogen. Ein fantastisches Schauspiel. Stolze 4 km mit 690 Hm sind es auf dem äußerst kurzweiligen Bilkengrat, der eigentlich mehr ein Bergrücken ist und sich in wunderschöner Wegführung nach oben schlängelt. An der „Schwarzen Scharte“ (2350 m) beginnt es tatsächlich ein wenig zu nieseln, was allerdings dem Vergnügen keineswegs schadet. Kurz darauf erreichen wir auch schon die Tilisuna Hütte (2211 m), die wunderschön oberhalb des gleichnamigen Sees liegt. Die unmittelbare Hüttenumgebung ist eines der populationsreichsten Murmeltiergebiete im Alpenraum und diese lassen auch nicht lange auf sich warten. Tatsächlich ist der Bestand hier so groß, dass sie sogar bejagt werden.
Wir machen eine längere Mittagspause, um die Wetterentwicklung zu beobachten. Am Nachmittag soll es wieder besser werden, auf jeden Fall aber trocken bleiben. So entscheiden sich 8 Alpinisten für den Gipfelanstieg auf die Sulzfluh (2817 m). „Entweder haben wir Glück oder Pech, so ist das nun mal mit dem Wetter!“ Aber – no risk – no fun!! Immerhin sind es nochmals 620 Hm und 4 km zum Gipfel. Vorbei an unzähligen Murmeltierhöhlen wechseln wir wieder ins graue Kalksteinmassiv der Sulzfluh. Auf dem Hochplateau zwischen 2400 m und 2750 m handelt es sich um ein Karstgebirge mit unendlich vielen Rissen, Löchern und Spalten. Da es trocken ist, und auch bleibt, können wir herrlich über die Felsplatten „auf Reibung“ gehen, d.h. scheinbar glatt polierte Felsscheiben halten unter den Schuhsohlen wie auf griffigem Asphalt. Es macht riesig Spaß diesen Berg emporzusteigen. Zudem hält der Wetterbericht, was er versprochen hat. Am Gipfel weht zwar ein kalter Wind, aber hinter einer selbst gebauten Biwak – Schutzmauer lässt es sich gut sitzen. Bei Getränken und einer Stärkung in Form von Riegeln, Nüssen und natürlich Gipfel – Gummibärchen verharren wir eine ganze Weile dort oben und lassen unserer Begeisterung über den herrlichen Zustieg freien Lauf. Genau genommen möchten wir gar nicht mehr runter. Aber wie es halt mal so ist im Leben, hat auch dieses Vergnügen ein Ende und wir steigen wieder zur Tilisuna Hütte ab, die wir um etwa 16:30 Uhr total begeistert und zufrieden erreichen. Zum Glück haben wir den Aufstieg doch gemacht!!
Ein leckeres Abendessen, viele Getränke, gute Gespräche und jede Menge Spaß beim Karteln, Mikado spielen uvm. runden einen unvergesslichen Tag ab. Ein klein wenig Wehmut geht mit uns in den Schlafsack – ist es doch leider schon wieder der letzte Abend. Morgen geht’s wieder ins Tal, aber da wartet ja noch ein besonderes Schmankerl auf uns!!
Die Sonne strahlt mit voller Kraft, da fällt uns der Abschied noch schwerer. Dennoch starten wir pünktlich um 08:00 Uhr Richtung Schwarzhornsattel, den wir nach ca. 1 Stunde erreichen. Von hier an geht’s, mal steiler, mal flacher bergab. Vorbei am Tobelsee, in dessen Wasseroberfläche man ein Spiegelbild der Drei Türme erkennen kann, bis zur Alpila Alpe. Hier machen wir einen kurzen Trinkstopp und amüsieren uns über die zahlreichen Tierchen, die hier überall herumlaufen. Sogar auf dem Hüttendach stolziert eine Ziege und posiert in der Sonne. Ab jetzt geht’s sehr steil die restlichen 450 Hm durch den Wald hinab, bis wir auf die Zufahrtsstraße zur Lindauer Hütte treffen. Da wir bis hierher bereits 7 km mit über 1000 Hm Abstieg in den Knochen haben, teilen wir uns wieder auf. Drei Personen wählen den kurzen und direkten Abstiegsweg zum Speichersee Kraftwerk in Latschau. Der Großteil der Gruppe allerdings nimmt einen nochmaligen Gegenanstieg von 400 Hm in Kauf, um zur Mittelstation der Golmerbahn zu gelangen. Am Haus Matschwitz, auf etwa 1500 m, bekommen wir auf der Hüttenterrasse in Windeseile ein sehr leckeres Mittagessen serviert. Man merkt, dass dieser Gastronomiebetrieb mit hohen Gästezahlen vertraut ist. Trotz der Schnelligkeit leidet die Qualität nicht. Hat man auch nicht alle Tage!
Gesättigt und gestärkt nähern wir uns dem großen Finale der Tour – dem Röhren-Rutschenpark. Hierbei handelt es sich um eine lustige Abstiegserleichterung in Form von sieben Röhrenrutschen, die mit einer Durchschnittslänge von etwa 60 m und etlichen Kurven Richtung Tal führen. Zwischendurch ist immer wieder Gehgelände. So überwindet man, wenn man mutig genug ist, nahezu 500 Hm. Wir schnallen unsere schweren Rucksäcke auf den Bauch und hoffen, dass wir nicht zu viel im Lokal gegessen haben und somit in einer der Röhren stecken bleiben. Mit jeder Menge Geschrei und noch mehr Spaß stürzen wir uns talwärts. Einziger Nachteil sind die leicht verschwitzten Wanderklamotten, die doch relativ stark bremsen. Aber vielleicht ist das gar nicht einmal so schlecht! Nach der letzten Rutschpartie dürfen wir in weiteren 20 Minuten zum Stausee laufen, wo wir auf unsere Kameraden treffen.
Mit der Golmer Seilbahn fahren wir letztendlich das restliche Teilstück ins Tal nach Vandans. Dort schließt sich an der Bushaltestelle der Kreis. Hier sind wir vor fünf Tagen voller Erwartungen und Neugierde gestartet und ich glaube behaupten zu können, dass die Rätikon Hüttenrunde alle Wünsche und Vorstellungen mit Bravour erfüllt hat. Es war tatsächlich für jedes Bergsteigerherz etwas dabei und es blieben keine Wünsche offen. Alle waren sich einig – diese Gegend steht den Dolomiten in nichts nach!!
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Teilnehmern bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Tour in solchem Ausmaß immer wieder so reibungslos und unfallfrei über die Bühne geht. Dazu gehört nicht nur eine gute und sorgfältige Planung, sondern zur Durchführung vor allem eine verantwortungsbewusste und vernünftige Truppe und die hatte ich wieder einmal in Perfektion beisammen 😊 😊.
Vielen lieben Dank, bis zum nächsten Mal!!
Euer Ralf
-
Erster Gipfel in Sicht -
Die Zimba thront über allem -
Im Aufstieg zum Saulakopf -
Gipfel 1 erreicht -
Anspruchsvolles Gelände -
Aber sowas von verdient -
Wanderweg mit Traumpanorama -
Erster Blick auf den Lünersee -
Spektakuläre Motive -
Über die Staumauer -
Immer wieder herrliche Blicke -
Totalp Hütte 2385m -
Extrem Entspannung -
Aufstieg zur Schesaplana -
Nette Wegbegleiter -
Gleich geschafft -
Klimawandel -
Abendstimmung -
Ohne Worte -
So kann der Tag beginnen -
Abstieg Gamsluggen -
Der Prättigauer Höhenweg -
Grüezi -
Kirchlispitzen, Drusenfluh, Drei Türme -
Wunderschöner Wanderweg -
Blick zum Drusentor -
Blick zur Lindauer Hütte im Wald -
Normalweg zur Lindauer Hütte -
Lünbersee Alpe -
Am Bilkengrat -
Auch mit dabei -
Schwarzhornscharte -
Tilisuna Hütte mit See -
-
-
Aufstieg zur Sulzfluh -
Nicht mehr weit -
-
Greifbar nahe -
Geschafft -
Windschutz -
Gute Nacht -
Guten Morgen -
Abstieg -
Schwarzhornsattel -
Idyllischer Tobelsee -
Alpila Alpe -
-
Traumpanorama Drei Türme -
Haus Matschwitz -
Der Röhrenrutschen Park -
Die Einen könnens -
Die Anderen nicht so gut -
Huuii -
Puh - gut gegangen! -
Grande Finale - schön war's